Donnerstag, 6. märz 2008

Hallo Euch allen,

erstmal vielen Dank für Euer Interesse. 

Wenn Ihr ein Kind kennt, das häufig unkonzentriert, schnell gelangweilt, schnell genervt, immer in Bewegung ist und wegen Kleinigkeiten explosiv reagiert, oft auch nicht so gut in der Schule ist und dort wegen schlechten Betragens Berühmtheit erlangt hat, seid Ihr hier vielleicht genau richtig.

Auch wenn gerade die Großelterngeneration behauptet die Kinder seien wahrscheinlich schlecht erzogen und Eltern dann oft die Befürchtung haben, dass diese Behauptung stimmen könnte, erstmal ist Ursachenforschung ganz wichtig. Es bringt bekanntlich nicht viel bei der Erziehung aus Verzweiflung einige aus der Umwelt stammende Ratschläge nacheinander auszutesten, um hinterher festzustellen, dass dies nichts außer noch mehr Kinderrebellion gebracht hat. Da hilft nur viel über solche Kinder und wie sie ticken zu wissen und dieses Wissen dann konsequent anzuwenden.

Ich bin Mutter von einem zehnjährigen Sohn mit ADHS – daher rührt mein Interesse für dieses Thema. Leider musste ich oft bei der Suche nach Wissen und Hinweisen dazu frustriert feststellen, dass man im Internet meist nicht alles was man gerne wüsste einer einzigen Quelle entnehmen kann.

Daher wollte ich an dieser Stelle einiges zusammenfassen und mit der Zeit auch einige Links zum Thema zusammentragen um anderen Betroffenen die Suche zu erleichtern. Außerdem bin ich für Eure Kommentare und Erfahrungen dankbar – jeder hat ja eine andere Sichtweise auf die Dinge und nicht jedes Kind mit ADHS ist wie das andere.

Für weitere Infos zum Thema habe ich im Text schon mal eine Seite verlinkt, die einige wichtige Eigenschaften von ADS - Kindern beschreibt und auch Infos zum Umgang mit diesen Kindern enthält.

Hier noch zwei weitere Links, die zu ADS/ADHS ganz interessanten Lesestoff bieten:

Lilly -                       Hier sind einige Informationen zum Erscheinungsbild von ADHS, Ärzte und                                            Selbsthilfegruppen zu finden.
Andersweltforum -     Dies ist ein Forum mit vielen Antworten auf Fragen zu ADS/ADHS und                                                Erfahrungen zum Thema.

Ich werde mit der Zeit die Linkliste immer mehr erweitern und Ihr werdet jede Woche neue Artikel von mir zu ADS/ADHS finden.

Viel Spaß und hoffentlich auch einige Aha – Effekte beim Lesen.

von Sandra veröffentlicht in: Willkommen
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Freitag, 7. märz 2008

Wir hatten schon von Anfang an Schwierigkeiten mit unserem Sohn.

 

Er war schon als Baby äußerst anstrengend – schlafen war doof und allein im Bett liegen auch. Überall hin musste er mit – man könnte ja z.B. verpassen wie Mutti die Wäsche aufhängt oder den Abwasch macht.

 

Als er älter wurde, war er bei jeder Beschäftigung schon nach kurzer Zeit gelangweilt und brauchte einen Ganztagsentertainer um Unmutbekundungen seinerseits zu verhindern. Vorstellbar, dass uns dies nicht immer gelang. Wutanfälle wegen alltäglich wiederkehrender Aufgaben, die es zu erfüllen galt (Zähne putzen, Spielzeug in die Kiste räumen) waren völlig normal und haben uns ganz schön zermürbt.

 

In der Kindertagesstätte war er immer wieder auffällig wegen seines nicht ganz so geschliffenen Benehmens und Handgreiflichkeiten – wir waren öfter mal Gast zu Aussprachen bei der Einrichtungsleiterin. Vorwürfe aus der näheren Umgebung, man sei nicht in der Lage den Jungen richtig zu erziehen, häuften sich und damit auch diverse Erziehungstipps nach denen wir eigentlich gar nicht gefragt hatten. Ungefragter Rat verunsichert nur und gibt betroffenen Eltern das Gefühl der Unfähigkeit.

 

Dann kam der Beginn der Schulzeit. Damit wurde es, wie sich schon vermuten lässt, auch nicht besser sondern eher schlechter. Die Schule wurde für unseren Sohn trotz seiner täglichen Bemühungen und guten Vorsätze bald zum Hassobjekt und Hausaufgaben waren eine langwierige und meist in Tränen endende Sache für ihn.

 

Auch zu Hause häuften sich die Probleme. Er hatte schon einige Minuten nach einer Bitte etwas zu tun vergessen was eigentlich seine Aufgabe war und sah es auch nicht dringend als notwendig an noch mal nachzufragen. Die aufgetragenen Dinge wurden einfach gelassen und etwas völlig anderes gemacht – am liebsten den Fernseher unauffällig einschalten und entspannt auf der Couch rum liegen. Das ist im Übrigen heute noch so.

 

Allerdings hatten wir mit unserer Grundschule verdammt viel Glück, denn die Lehrer kannten sich mit ADHS aus und haben uns nach einigen Aussprachen schon in der ersten Klasse auf diese Möglichkeit aufmerksam gemacht. Wir sind mit ihm also zum Kinderpsychiater gegangen, um sicher zu gehen, dass die Ursache seiner Probleme nicht körperlicher Natur ist. Da haben wir dann die Diagnose ADHS bekommen. Jetzt konnten wir endlich was gegen unsere Selbstzweifel in Erziehungsfragen tun – das Wissen, dass ADS kein Erziehungsfehler und keine gewollte Rebellion der Kinder ist, sondern eine Störung der Informationsverarbeitung im Gehirn, gab uns wieder Selbstvertrauen im Umgang mit unserem Sohn und auch mit unserer Umwelt. Ausserdem wurden wir endlich in die Lage versetzt dem Jungen zu helfen.

von Sandra veröffentlicht in: Eigene Erfahrungen
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Samstag, 8. märz 2008
Nachdem wir wussten, was unserem Sohn Probleme macht, ergaben sich verschiedene Möglichkeiten  der Therapie. In unserem Fall hat eine Kombination aus Medikamenten und Verhaltenstherapie doch einige Fortschritte gebracht.

Die Medikamente bestehen aus einer Kapsel nach dem Frühstück und gut. Das Präparat setzt seinen Wirkstoff über den ganzen Tag verteilt frei und ermöglicht unserem Sohn jetzt eine fleißige und auch meist konzentrierte Mitarbeit in der Schule. Das Zeugnis ist mit vielen Zweien recht ansehnlich. Auch wenn einmal 2 Dreien auftauchen, die durch pure Faulheit entstehen, können wir doch sehr zufrieden sein.
Auch am Nachmittag, wenn es gilt die Hausaufgaben zu erledigen, kann er sich noch auf seine Aufgaben fokussieren, was früher gar nicht denkbar war. Seit seine Probleme im Unterricht nachgelassen haben, ist er entspannter und geht auch gern zur Schule - bis auf einige Ausnahmen, die wohl allen Eltern dann und wann über den Weg laufen.

Um besser mit seinen Mitschülern und Lehrern klar zu kommen und seine Agression in den Griff zu kriegen haben wir ein Jahr lang einmal in der Woche eine Verhaltenstherapie besucht, in der er Strategien zur Konfliktlösung erlernt hat, die er auch meist anwendet. Natürlich kann man nicht erwarten, dass es immer klappt und es gibt auch Zeiten, wo es für eine ganze Zeit durchgängig nicht funktioniert und alte Verhaltensweisen wieder auftreten. Im Grossen und Ganzen hat sich die Situation in der Schule und auch zu Hause aber sehr entspannt.

Unabhängig von der Therapie haben wir festgestellt, dass unser Sohn besser ausgelastet ist, wenn er am Nachmittag einen Hort besucht, wo die Möglichkeit besteht mit anderen Kindern zu spielen und zu toben. Zu Hause müsste er mit uns Erwachsenen spielen, was ihm nicht so viel Spaß macht wie der Umgang mit anderen Gleichaltrigen. Das schult sein Sozialverhalten und beeinflusst es sehr positiv und er hat jetzt Freunde - so ist er jetzt meist ein glücklicher Junge.

Sicher gibt es Tage, an denen er äußerst unglücklich ist. Vor allem dann, wenn er in der Schule mit einem Lehrer Streß hatte. Sein Ungerechtigkeitsempfinden ist sehr stark ausgeprägt und er fühlt sich daher manchmal schnell benachteiligt und ungerecht behandelt. Das führt verständlicher Weise oft zu Unmut auf seiner Seite. Aber andererseits gehört die Wachsamkeit über Gerechtigkeit und den Schutz des Schwächeren auch zu seinen absoluten Stärken, die er nicht nur für sich selbst in Anspruch nimmt, sondern auch anderen Kindern in vielen Situationen den Rücken stärkt. Das freut seine Freunde und gibt ihnen das Gefühl sich immer auf unseren Sohn verlassen zu können, wenn es um Unterstützung und Rückhalt in diesen Fragen geht.

Da er sich besser und auch über längere Zeit als früher auf eine Sache konzentrieren kann, hat er seine Leidenschaft für Bastelarbeiten mit Holz und Keramik entdeckt. In den Ferien besucht er jetzt oft eine Freizeiteinrichtung für Kinder, in der diese betreuten Bastelangebote vorhanden sind. Dort kann er sich mittlerweile sehr gut an den Umgang mit völlig fremden Kindern anpassen und eckt selten an.

All dies sind Dinge, die uns und ihn sehr glücklich machen. Wir sind bemüht ihn in allem was er tut zu unterstützen - auch dieser Rückhalt von zu Hause scheint ihm zu helfen und wichtig zu sein.
von Sandra veröffentlicht in: Eigene Erfahrungen
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